1000 Liter für 75 €: einen gebrauchten IBC von Paprika-Extrakt befreien
Meine Beete bekommen im nächsten Jahr eine Tropfbewässerung. Dafür brauche ich einen Tank, den der Brunnen füllt und aus dem zwei kleine 12-Volt-Pumpen das Wasser in die Beete schicken. 1000 Liter sollten es sein, das reicht im Hochsommer rund zwei Wochen.

Ein Schnäppchen mit Würze
Neu kostet so ein IBC-Container, schwarz und lebensmittelecht, rund 300 € plus 60 € Fracht. Meiner stammt aus einer Anzeige, kommt aus der Lebensmittelindustrie und hat 75 € gekostet. Schwarz ist er auch, und das ist wichtiger, als man denkt: In den üblichen weißen Tanks wachsen im Sommer munter Algen, und die verstopfen später die Tropfer.
Einen Haken gibt es natürlich. Zuletzt war Paprika-Extrakt darin, und laut Anzeige ist der Tank „restentleert“. Ein dehnbarer Begriff, wie der erste Blick unter den Tank zeigt:

Paprika-Extrakt ist meist in Öl gelöst, und dieser Ölfilm klebt an jeder Innenwand. Giftig ist er nicht. Aber für Bakterien ist er ein Festmahl, und der Schleim, der daraus wächst, landet am Ende in den Tropfern. Die geben einen Liter pro Stunde ab und haben entsprechend winzige Öffnungen. Mein Garten soll gegossen werden, nicht gewürzt.
Der Plan für Faule, und warum er scheitert
Mein erster Gedanke: eine Flasche Spüli hinein, Tank volllaufen lassen, ein paar Tage warten, ablassen, fertig. Leider:
- Eine Flasche Spüli in 1000 Litern ist so verdünnt, dass das Öl sie nicht einmal bemerkt.
- Kaltes, stehendes Wasser löst kein Fett. Spüli braucht Wärme und Bewegung.
- Was sich löst, schwimmt oben und klebt beim Ablassen wieder an der Wand. Der berühmte Badewannenrand.
- Nach ein paar Tagen hätte ich 1000 Liter lauwarme Paprikasuppe. Und keine Idee, wohin damit.
Besser: wenig Wasser, heiß, konzentriert und mit Bewegung.
Waschsoda und ein bisschen Sport
Statt Spüli nehme ich Waschsoda, das alte Hausmittel gegen Fett. Meins kam von Amazon. In heißem Wasser verseift Soda das Öl, aus dem Schmierfilm wird etwas, das sich abspülen lässt.
Einen Hochdruckreiniger habe ich nicht. Muss ich auch nicht haben: Der IBC wird einfach über den Rasen gekullert. So kommt die Lauge an jede Wand, auch an die Decke. Für die Nachbarn sieht das vermutlich nach einer neuen Sportart aus.
Was ich brauche: Waschsoda (etwa 250 g je Runde), heißes Wasser, Eimer, eine Kappe für den Auslaufhahn, Klebeband, Handschuhe und Schutzbrille, eine Bürste mit langem Stiel und eine zweite Person mit guter Laune.
So geht's
- Hineinleuchten. Deckel ab, Taschenlampe rein. Was unten noch steht, erst einmal über den Hahn in einen Eimer ablassen.
- Dicht machen. Hahn zu und eine Kappe auf den Ausgang. Deckeldichtung prüfen. Manche Deckel haben ein kleines Entlüftungsloch, das mit Klebeband zukleben, sonst wird man beim Kopfstand des Tanks geduscht.
- Heiße Lauge rein. 20 bis 30 Liter heißes Wasser, höchstens etwa 60 °C, dazu 250 g Soda. Deckel fest zu. Ab jetzt Handschuhe und Brille, Sodalauge in den Augen ist kein Spaß.
- Kullern. Zu zweit den leeren IBC (rund 60 kg) über den Rasen auf alle Seiten kippen, einmal auch auf den Kopf. Nur die Seite mit dem Hahn schonen und lediglich ankippen, damit er nicht abbricht. Eine Viertelstunde einwirken lassen, dann noch eine Runde.
- Ablassen und wiederholen. Solange das Wasser rot und fettig herauskommt, kommt eine neue Runde Lauge hinein. Ich rechne mit zwei bis drei. Was nahe der Deckelöffnung festklebt, erledigt die Bürste.
- Klar nachspülen. Zwei, drei Runden mit je 50 Litern kaltem Wasser kullern und ablassen, bis kein Schaum mehr kommt.
- Hahn putzen. Darin sitzen gern die hartnäckigsten Reste. Bei der Gelegenheit die Dichtungen ansehen. Ein leicht rosa Schimmer im Kunststoff darf bleiben, der ist harmlos.
- Riechprobe. 100 bis 200 Liter frisches Wasser einfüllen und zwei, drei Tage stehen lassen. Riecht es danach nicht mehr nach Paprika und schwimmt kein Film oben, ist der Tank fertig.
Die Anleitung gibt es auch als PDF zum Ausdrucken, mit Kästchen zum Abhaken.
Wohin mit der Brühe
- Lauge und das erste Spülwasser in die Toilette oder einen Abfluss im Haus, also in den Schmutzwasserkanal.
- Nicht in den Gully auf der Straße: Der führt meist ungeklärt in den nächsten Bach, und die Fische haben keinen Paprika bestellt.
- Klares Nachspülwasser darf auf den Rasen. Der hat beim Kullern schließlich auch mitgeholfen.
Und dann?
Über den Winter bleibt der Tank leer, damit nichts einfriert. Im Frühjahr zieht er an seinen festen Platz neben die Komposter, in den Schatten. Beim ersten Pumpenlauf öffne ich die Enden der Tropfrohre, damit letzte Paprika-Moleküle ins Freie gespült werden statt in die Tropfer.
Wie viele Runden es am Ende waren und ob der Rasen das Kullern überlebt hat, ergänze ich hier mit Fotos.




