Sorte: Geestboden

Ein Friesenwall entsteht: Feldsteine, Schalungskiste und viel Erde

Länge16 m
Höhe80 cm
Steineseit 2005 vor dem Haus

Neben dem Gemüse gibt es bei mir auch einen Ziergarten, nordisch und möglichst naturbelassen. Sein Herzstück steht vor dem Haus: ein Friesenwall, gebaut im Frühjahr 2024. Hier erzähle ich, wie er entstanden ist.

Was ist ein Friesenwall?

Friesenwälle sind im Norden die klassische Grundstückseinfassung. Ein Kern aus festgestampfter Erde, außen trocken aufgesetzte Feldsteine, ganz ohne Mörtel. Oben drauf wächst etwas, und in den Fugen wohnen Eidechsen, Wildbienen und Käfer. Ein Zaun mit Biotop, sozusagen.

Die Vorgeschichte: ein Hügel und ein Schädling

Die Steine selbst sind alte Bekannte. Seit 2005 liegen sie vor meinem Haus. Gesammelt habe ich sie damals bei Bauern aus der Umgebung, die Äcker der Geest sind voll davon, die Eiszeit hat sie hiergelassen. Sie deckten einen leichten Hügel ab, und auf der Grundstücksgrenze standen in regelmäßigen Abständen Buchsbäume.

Dann kam ein Schädling, vermutlich der Buchsbaumzünsler, und hat nicht nur meine, sondern so ziemlich alle Buchsbäume in der Gegend kahl gefressen. Gründlich, ohne Ansehen der Person und ohne jedes Benehmen. Übrig blieben braune Gerippe und die Frage: Was kommt jetzt an die Grenze? Die Antwort lag sozusagen schon da. Also wurde der Hügel abgetragen, und die Steine landeten Anfang März 2024 vor dem Carport:

Anfang März 2024: der abgetragene Steinhügel. Jeder einzelne Stein ist einmal durch meine Hände gegangen, die meisten mehrmals.
Anfang März 2024: der abgetragene Steinhügel. Jeder einzelne Stein ist einmal durch meine Hände gegangen, die meisten mehrmals.

Kleiner Tipp aus Erfahrung: Man unterschätzt, wie viele Steine ein Wall frisst. Und man unterschätzt, wie schwer ein Stein ist, den man vor zwanzig Jahren noch „handlich“ fand.

Der Trick: eine Schalungskiste

Der Erdkern muss fest und gerade sein, sonst rutschen die Steine später nach. Ich habe mir deshalb eine Schalungskiste aus OSB-Platten gebaut:

  • 120 cm lang, 80 cm hoch, unten 60 cm breit, nach oben schmaler. So bekommt der Wall die typischen schrägen Seiten.
  • Die Seiten werden mit Spannverschlüssen zusammengehalten. Zum Versetzen klappt man sie auf und stellt sie am Ende des letzten Blocks wieder auf.
  • Eine Querlatte oben hält die Kiste in Form, während man die Erde hineinstampft.
Die Schalungskiste im Einsatz. Dahinter der ausgehobene Graben entlang der Einfahrt.
Die Schalungskiste im Einsatz. Dahinter der ausgehobene Graben entlang der Einfahrt.
Gefüllt und festgestampft. Die Spannverschlüsse sind gut zu sehen.
Gefüllt und festgestampft. Die Spannverschlüsse sind gut zu sehen.

Dann der spannende Moment: Verschlüsse auf, Kiste weg, und übrig bleibt ein Erdblock mit überraschend scharfen Kanten. In den Schichten sieht man noch, wie lagenweise gestampft wurde.

Der erste Erdblock, frei stehend. Mehr Stampflehm-Optik geht kaum.
Der erste Erdblock, frei stehend. Mehr Stampflehm-Optik geht kaum.
Block für Block wächst der Kern an der Einfahrt entlang.
Block für Block wächst der Kern an der Einfahrt entlang.

Steine setzen

Jetzt kommen die Feldsteine an den Kern. Die großen nach unten, die kleineren nach oben, immer leicht zum Kern geneigt, damit sie sich anlehnen. Jeder Stein sollte auf zwei darunter liegen, wie bei einer Ziegelmauer. Das ist ein Puzzle, bei dem man die Teile vorher nicht sieht und manches Teil zwanzig Kilo und mehr wiegt.

Die ersten Steine liegen. Rechts wartet die Kiste schon auf den nächsten Block.
Die ersten Steine liegen. Rechts wartet die Kiste schon auf den nächsten Block.
Die Ecke an der Einfahrt. Die großen, flachen Steine liegen unten.
Die Ecke an der Einfahrt. Die großen, flachen Steine liegen unten.
Ende März: der zweite Abschnitt Richtung Straße.
Ende März: der zweite Abschnitt Richtung Straße.

Mitte April: geschafft

Gut sieben Wochen nach dem ersten Steinhaufen stand der Wall entlang der Einfahrt. Insgesamt sind es rund 16 Meter, etwa 80 cm hoch. Oben ist noch nackter Sand, aber das bleibt nicht so.

21. April 2024: der Wall an der Einfahrt ist fertig. Die Kiste hat ihren Job erledigt.
21. April 2024: der Wall an der Einfahrt ist fertig. Die Kiste hat ihren Job erledigt.

Was ich heute anders machen würde

Ehrlich gesagt war nicht alles so clever, wie es auf den Fotos aussieht. Die Fotos zeigen schließlich nur die Momente, in denen gerade nichts schiefging:

  • Siebdruck statt OSB. OSB-Platten mögen keine Feuchtigkeit, und feuchte Erde hineinzustampfen ist genau das, was sie nicht mögen. Die Platten quollen auf wie ein Schwamm und wurden weich wie Pappe. Ich musste die Schalung mehrfach mit Latten verstärken, damit sie beim Stampfen nicht auseinanderging. Am Ende war die Kiste mehr Flickwerk als Werkzeug, hat aber tapfer durchgehalten. Siebdruckplatten sind wasserfest beschichtet und hätten das ganze Projekt ohne Murren überstanden.
  • Die Fugen zwischen den Blöcken. Nahtlos lassen sich die Erdblöcke nicht aneinandersetzen. Wo die Kiste versetzt wurde, blieben Lücken und Absätze, die ich hinterher mit Mutterboden wieder ausbessern musste. Wer das Verfahren nachbaut: diese Nacharbeit gleich einplanen. Und sich nicht wundern, wenn der Wall an diesen Stellen anfangs aussieht wie ein schlecht verfugtes Badezimmer.

Wie die Krone bepflanzt wurde, mit Rosen, Lavendel und Sukkulenten, und wie der Wall ein Jahr später aussieht, kommt im nächsten Teil.

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