Sorte: Geestboden

Nach 15 Jahren Holz: die abgesenkte Terrasse bekommt Granit

Holz15 Jahre
Ringe2
Bauzeitknapp 2 Wochen

Wer bei mir aus dem Haus geht, steigt ein paar Stufen hinunter in eine kleine abgesenkte Terrasse. Rundherum stehen Mauern aus Feldsteinen, oben wuchert im Frühjahr das Blaukissen in Lila und Pink. Ein schöner Ort. Mit einem Problem: Der Boden war aus Holz, und das Holz war fünfzehn Jahre alt.

Vorher: Holz mit Vergangenheit

April 2023: die alte Holzterrasse im Abendlicht. Von hier oben sieht sie noch ganz passabel aus. Aus der Nähe nicht mehr.
April 2023: die alte Holzterrasse im Abendlicht. Von hier oben sieht sie noch ganz passabel aus. Aus der Nähe nicht mehr.

Fünfzehn Jahre Regen, Laub und Moos hinterlassen Spuren. Die Dielen waren verbraucht, und bei manchen Schritten wusste man nicht so genau, ob das Brett oder das Knie knackt. Austauschen war also keine Frage des Ob, sondern nur noch des Wann. Und weil ich schon mal dabei war, stellte sich die Frage: noch einmal Holz, das in fünfzehn Jahren wieder fällig ist? Oder etwas, das bleibt?

Es wurde Granit.

22. April: alles raus

Die Dielen sind weg. Übrig bleiben Erde, Steine, Unkrautvlies und die Erkenntnis, wie viel Laub sich unter so einer Terrasse sammeln kann. Im Hintergrund trocknet die Wäsche, das Leben geht weiter.
Die Dielen sind weg. Übrig bleiben Erde, Steine, Unkrautvlies und die Erkenntnis, wie viel Laub sich unter so einer Terrasse sammeln kann. Im Hintergrund trocknet die Wäsche, das Leben geht weiter.
Die Bauaufsicht: Oitis kontrolliert rechts neben dem gelben Busch, ob alles nach Plan läuft. Mitgeholfen hat er nicht, aber er war immer da.
Die Bauaufsicht: Oitis kontrolliert rechts neben dem gelben Busch, ob alles nach Plan läuft. Mitgeholfen hat er nicht, aber er war immer da.

Unter Holzterrassen entsteht über die Jahre ein eigenes Ökosystem. Ich will nicht ins Detail gehen. Nur so viel: Es war nicht alles Laub.

Dann wurde die Fläche abgezogen und ein frisches, ebenes Bett für das Pflaster vorbereitet.

Bereit für Stein: die Fläche zwischen den Mauern, sauber abgezogen. Zum letzten Mal so leer.
Bereit für Stein: die Fläche zwischen den Mauern, sauber abgezogen. Zum letzten Mal so leer.

23. April: der Kreis

Eine rechteckige Fläche zu pflastern ist Handwerk. Einen Kreis zu pflastern ist Geduld. In der Mitte liegt ein flacher Stein, darum herum Ringe aus Granitpflaster, und zwischen den Ringen je eine Reihe roter Klinker. Zwei Ringe, damit das Auge etwas zum Wandern hat.

Der Kreis liegt. Daneben noch Sand und Werkzeug, darunter ein Schraubenzieher, dessen Rolle beim Pflastern bis heute ungeklärt ist.
Der Kreis liegt. Daneben noch Sand und Werkzeug, darunter ein Schraubenzieher, dessen Rolle beim Pflastern bis heute ungeklärt ist.
Von oben: Der Kreis sitzt, die Randsteine folgen der Mauer. Der Rest ist Fleißarbeit.
Von oben: Der Kreis sitzt, die Randsteine folgen der Mauer. Der Rest ist Fleißarbeit.

Bei einem Kreis passt kein Stein genau. Jeder muss ein bisschen gedreht, gekippt oder getauscht werden, bis die Fuge stimmt. Man fängt an, Pflastersteine nach Persönlichkeit zu sortieren. Der hier ist zu breit, der da hat eine schiefe Seite, und der dritte passt zwar, aber nur, wenn man ihn freundlich bittet.

3. Mai: fertig

Gut eineinhalb Wochen später war die ganze Fläche gepflastert. Vom Kreis aus laufen die Reihen in Bögen weiter bis an die Mauern.

Fertig: Granitpflaster in Bögen, der Kreis mit seinen Klinkerringen, ringsum die Feldsteinmauern. Die Steine für den nächsten Einsatz liegen schon bereit.
Fertig: Granitpflaster in Bögen, der Kreis mit seinen Klinkerringen, ringsum die Feldsteinmauern. Die Steine für den nächsten Einsatz liegen schon bereit.
Der Blick vom Rosenbogen. Im Schatten des Ahorns ist es hier im Sommer angenehm kühl.
Der Blick vom Rosenbogen. Im Schatten des Ahorns ist es hier im Sommer angenehm kühl.

Was ich gelernt habe

  • Holz ist gemütlich, Stein ist ehrlich. Holz will alle paar Jahre geölt, geschrubbt und irgendwann ersetzt werden. Granit liegt einfach da und wird mit den Jahren nur schöner.
  • Kreise sind ein Zeitfresser. Für die gleiche Fläche hätte ein gerades Muster vermutlich die Hälfte der Zeit gebraucht. Aber nur die Hälfte so viel Spaß gemacht.
  • Klinker zwischen Granit ist ein billiger Trick mit großer Wirkung. Ein paar rote Steine, und aus einer Fläche wird ein Muster.

Die Holzterrasse hat mir fünfzehn Jahre gute Dienste geleistet. Die Granitterrasse plant, mich zu überleben.

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