Moin Herbst: einmal ums Haus, bei Sonne und ohne Schnack
Moin.
Es gibt im Norden zwei Sorten Oktobertage. An der ersten Sorte regnet es waagerecht, und man sagt: „Schietwetter.“ An der zweiten Sorte scheint die Sonne, der Himmel ist blau wie ein Ostfriesennerz, und man sagt: „Kann man nich meckern.“ Heute war so einer. Also bin ich mit dem Handy einmal ums Haus gegangen. Kommt ihr mit? Schuhe abputzen müsst ihr nicht, ist ja draußen.
Vorn an der Straße
Wir fangen da an, wo alle anfangen: an der Straße. Und da steht er, der Friesenwall. Zweieinhalb Jahre alt, inzwischen mit Moos, Patina und der Ausstrahlung, als hätte er schon zu Kaisers Zeiten hier gestanden. Davor glüht der rote Hartriegel, als wollte er mit dem Herbst um die Wette leuchten, und die Eibe steht daneben wie ein Türsteher, der schon alles gesehen hat.

Am Eingang
Wer zur Haustür will, muss an einer Hortensie vorbei, die man nicht übersehen kann. Wir nennen sie „die Riesenhortensie“, weil sie riesig ist. Norddeutsche Namensgebung: kurz, sachlich, stimmt. Ihre Blätter sehen aus wie Eichenlaub und färben sich jetzt rot und gold. Die Blüten vom Sommer hängen noch dran, inzwischen in Zimtbraun. Sie weiß einfach, wie man in Würde altert.

Im Vorgarten
Hinter dem Wall liegt das Beet, und hier wird es bunt. Die Fetthenne hat ihre dunkelroten Dolden aufgezogen und ist damit gerade der heimliche Star im Beet. Daneben die Rispenhortensien, eine in Weiß, eine in Rosa. Als hätten sie sich abgesprochen, wer welche Farbe übernimmt.


Ums Eck
Durch das Seitentor geht es nach hinten. Gleich davor steht ein kleiner Strauch, der jetzt schon rote Knospen trägt. Der hat offenbar nicht mitbekommen, dass Herbst ist, oder er plant einfach sehr weit voraus. Respekt.

Hinterm Haus
Und dann geht die Tür auf zum Garten hinterm Haus. Rasen, Terrasse, das Sonnensegel noch aufgespannt, weil man ja nie weiß. Auf dem Dach fangen die Solarmodule jedes bisschen Oktobersonne ein, unten im Beet wird der Fächerahorn langsam bunt.

Ein paar Schritte weiter liegt die abgesenkte Terrasse, eingerahmt von Feldsteinmauern. Dahinter stehen die beiden Gewächshäuser an der Carportwand, inzwischen ohne Tomaten und ein bisschen müde. Die haben sich ihre Pause verdient.


Bei den Beeten
Das Gemüse ist durch, so gut wie. Ein paar Beete sind schon abgeräumt und schlafen unter Mulch. In den anderen steht noch, was in den Erdkeller soll.

Und dann die Erdbeeren. Ich sag's, wie es ist: Das Beet ist ein grüner Teppich. Eigentlich sollte ich es im Oktober auslichten. Eigentlich. Es ist auch noch Oktober. Ich hab also noch zwölf Tage, um meinen guten Vorsatz einzulösen.

Zum Schluss: der Komposter
Kein Rundgang ohne Komposter. Hier landet alles, was im Garten fertig ist: Rote-Bete-Laub, Selleriegrün, ein paar rote Beeren, die irgendwer mitgebracht hat. Ich war's nicht. Und unten im Komposter wird daraus wieder schwarze, krümelige Erde. Ohne dass man was tun muss. So ein Komposter ist der einzige Mitarbeiter im Garten, der nie meckert.

Und nu?
Nu ist Herbst. Die Blätter fallen, der Mulch wird dicker, und im Garten wird es ruhiger. Was noch zu tun ist: Rote Bete und Möhren in den Erdkeller, Erdbeeren auslichten, Laub auf die Beete. Und dann? Dann sitzt man drinnen, trinkt Tee und guckt raus. Das ist im Norden auch Gartenarbeit. Man nennt es „Planung“.
Tschüss, bis zum nächsten Mal.
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